Wild- und Heilkräuter sammeln

Der Brauchtumgsverien führt Kräuterführungen durch. Ziel ist es den Teilnehmern das alte Wissen um die Heilfkräfte der Natur zu vermitteln und Bräuche die damit zusammenhängen. Auch werden Kräuter zum Verzehr oder als Salben verarbeitet.

Jedes Jahr im August vor Maria Himmelfahrt, eine Kräuterwanderung mit Christiane Onneken aus Schneidhain in der Niederhöchstädter Gemarkung durch. Ziel ist es Pflanzen für die Kräutersträuße „Werzwisch“ zu sammeln, die traditionell um Maria Himmelfahrt gebunden und anschließend geweiht werden.

Bezüglich Brauchtum gab es erneut in 2019 eine Wanderung mit der Phytotherapeutin Christiane Onneken, deren Ziel es war, Werzwisch (Kräuterwedel) für die Segnung an Maria Himmelfahrt in St. Nikolaus zu binden.

Der „Werzwisch“ hatte neben seiner medizinischen Bedeutung auch eine spirituelle: er sollte zum Beispiel auch vor Blitzeinschlag schützen, daher ist es üblich das Gebinde nach dem 15. August auf dem Dachboden aufzuhängen oder ins Gebälk zu stecken. Eine weitere Möglichkeit ist, wie Frau Onneken wissen ließ, dass man ihn auch gut in Reisezeiten in einer Vase hinter die Haustür stellt, damit Unheil abgewandt wird.

Der Abschnitt von Anfang August bis Mitte September gilt als die wertvollste Zeit zum Sammeln der Kräuter, weil den Pflanzen in diesen Wochen angeblich eine besondere Kraft innewohnt.

In früheren Zeiten wussten die Menschen viel mehr von der Heilkraft der Wildkräuter, zumal viele gar keine andere Medizin zur Verfügung hatten.

In den Klöstern zählten die Kräutergärten zur festen Einrichtung.

Die Hl. Hildegard von Bingen, bekannt für ihre ganzheitliche Sicht des Menschen, verstand es mit den Pflanzen aus ihrem Garten, Leib und Seele Hilfesuchender zu heilen.

Zu folgenden Pflanzen haben wir Informationen und Erkenntnisse sammeln können:

  • Weidenrinde hilft unter anderem gegen Kopfschmerzen.
  • Die große Klette kann in den Werzwisch – Vorsicht mit der Kleidung.
  • Wildrose mit Hagebutte; Kerne zu Pulver verarbeitet wirkt gut bei Arthrose und Gelenkerkrankungen.
  • Rotklee enthält Isoflavone wirken schwach östrogen bei Wechseljahrbeschwerden.
  • Krauser Ampfer ein Knöterichgewächs wird gegen Malaria eingesetzt.
  • Klettenlabkraut und Wiesenlabkraut schmeckt gut im Salat.
  • Gundelrebe wird als Teekur zur Ausleitung von Schwermetallen (Amalgam) empfohlen.
  • Saft des Schöllkrautes täglich frisch gegen Warzen oder als Tinktur mit Alkohol einsetzen.
  • Efeu ist gut bei Husten und wird neuerdings als Waschmittel genutzt.
  • Brennnessel hilft bei Prostata und rheumatischen Entzündung.
  • Mädesüß kann als Kräutersäckchen oder als Sirup (wie bei Holunder) verarbeitet werden. Es stärkt das Immunsystem und ist gut bei Erkältungen.
  • Blutweiderich hat eine zusammenziehende Wirkung, ist blutstillend und hilft bei Durchfall.
  • Baldrianblüten im Kräutersäckchen oder die genutzte Wurzel hat eine beruhigende Wirkung.
  • Hasel, heiliger Baum der Kelten zur Wünschelrutenfertigung sollte auch in den Werzwisch
  • Brombeer als Gesundheitstee verwenden
  • Die Wirkung von Pappelrinde gegen Hautkrebs wird derzeit erforscht.
  • Beinwell ist u.a. gut bei Krampfadern.
  • Dill ein Doldenblüter kommt in den Gurkensalat oder zu Fischgerichten, hat eine milchfördernde Eigenschaft und lindert Blähungen von Säuglingen (wie bei Fenchel).
  • Schafgarbe bei Unterleibsbeschwerden, mit einer Wärmflasche auf den Bauch, hilft.
  • Meerrettich wirkt antibakteriell z.B. bei Blasenentzündung (Umschläge)
  • Mit Rainfarn kann man entwurmen.
  • Kanadische Goldrute (Solidago) wird bei Entzündungen der Harnwege empfohlen.
  • Beifuß bei gestörter Fettverdauung (Gänse essen) nutzen. Als Räucherwerk für Trance nutzbar.
  • Die Fettsäuren der Walnuss sind gut fürs Gehirn. Die Blätter wirken zudem gegen Insekten.
  • Ebenso lässt sich Spitzwegerich bei Insekten- und Bienenstichen und zur Stärkung des Immunsystem nutzen. Der Samen (Flohsamen) hat Abführende Wirkung – dass war schon bei den Neandertalern bekannt.
  • Pimpernelle auch Wiesenknopf genannt ist bekannt für seinen Gerbstoff, der sowohl blutstillende, schleimlösende und entzündungshemmende Wirkung hat.
  • Giersch hilft bei Gicht, da er die Harnsäureausleitung unterstützt.
  • Johanniskraut (Samenkapseln) bei depressiven Verstimmungen und das Öl heilt Wunden

Am Ende empfahl uns Frau Onneken noch die Kräuter- und Heilpflanzenbücher von Rudi Beiser, der immer wieder neue Entdeckungen und neue Anwendungsmöglichkeiten aufzeigt.

2018 Kräuterwanderung mit anschließender Weihe der Sträuße (Werzwisch)

2018 stellte durch die anhaltende Trockenheit, die Kräutersuche eine Herausforderung dar. Unter der fachkundigen Leitung von Frau Christiane Onneken aus Schneidhain konnten wir nicht alle aber die ein oder anderen traditionellen Kräuter finden. Sogar Besonderheiten wie Odermennig und Mädesüß waren dabei.

Darüber hinaus fanden wir Rotklee, Pimpinelle, Sauerampfer, Beifuß, Geißfuß, Borretsch, Brennnessel, Gundermann, Giersch, Ringelblume, Spitz- und Breitwegerich, Wilde Möhre etc. und Frau Onneken erklärte zu allen Pflanzen die wir fanden, deren Bedeutung und mögliche Verarbeitungsweise. Vor allem für die verschiedensten Frauenleiden gab es gute Tipps, was die männlichen Mitwanderer doch verwunderte. Gibt es denn keine Männerleiden, war die Frage? Schon wurde über alle möglichen Gründe dafür spekuliert und über die Hexenverfolgung diskutiert.